Olivenöl, Wechseljahre und Hautalterung: was tatsächlich untersucht wurde
Wer nach Olive und Wechseljahren sucht, findet schnell Oleuropein und das Wort Phytoöstrogen. Es gibt dazu tatsächlich Forschung. Nur steht in fast keinem Artikel dabei, woran geforscht wurde: an Ratten, mit Extrakten, in Dosierungen, die mit einem Esslöffel Öl nichts zu tun haben. Hier steht, was die Studien wirklich zeigen.
Auf einen Blick: Zu Oleuropein, Olivenöl und Knochenschwund nach der Menopause gibt es Forschung — überwiegend an Ratten. Die einzige größere Studie am Menschen arbeitete mit einem standardisierten Polyphenol-Extrakt, nicht mit Olivenöl. Dazu kommt: Beim Pressen wird Oleuropein größtenteils in Oleuropein-Aglykon umgewandelt, ein anderes Molekül.
Zugelassen sind in der EU zwei Aussagen, die hier eine Rolle spielen: Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen, und Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen. Alles Weitere ist Forschungsstand.

Warum dieser Artikel
Diese Frage kam von einer Kundin, und ich habe sie zuerst zu schnell beantwortet. Ich hatte gelesen, dass Oleuropein wie ein Phytoöstrogen wirkt, und dachte, das gilt so für unser Öl. Beim Nachlesen der Originalarbeiten wurde es komplizierter: Ratten, Extrakte, Dosierungen weit über dem, was man isst. Ich habe ihr geschrieben, was tatsächlich dasteht — daraus ist dieser Artikel geworden. Alle Quellen stehen unten, jede lässt sich nachlesen.
— Dimitri Baitinger, Gründer
Blatt und Öl: zwei verschiedene Stoffe
Im lebenden Olivenbaum sitzt Oleuropein — ein bitterer Stoff, den die Pflanze zum Schutz gegen Fraßfeinde und Trockenheit bildet. In den Blättern ist die Konzentration besonders hoch.
Beim Pressen der Frucht passiert etwas Entscheidendes. Sobald das Fruchtgewebe aufbricht, treffen Enzyme auf das Oleuropein und spalten es. Was ins Öl übergeht, sind überwiegend die Abbauprodukte: Oleuropein-Aglykon, Oleacein, Oleocanthal, Hydroxytyrosol.

Das ist kein Qualitätsverlust — im Gegenteil, genau diese Abbauprodukte sind die wirksamen Polyphenole des Olivenöls. Aber es sind chemisch andere Moleküle als das Oleuropein, mit dem die Phytoöstrogen-Forschung arbeitet.
| Olivenblattextrakt | Olivenöl | |
|---|---|---|
| Hauptstoff | Oleuropein | Oleuropein-Aglykon und weitere Derivate |
| Form | Kapsel, Tee, Tinktur | Lebensmittel |
| Dosierung | standardisiert, oft hoch | über die Ernährung |
| Untersucht in Studien | überwiegend | vereinzelt, Tiermodell |
Beim Tropicual De Sierra weist die NMR-Analyse 555 mg/kg Oleuropein-Aglykon aus — die Aglykon-Form, nicht das ursprüngliche Oleuropein.
Was tatsächlich untersucht wurde
Oleuropein gehört zu den sekundären Pflanzenstoffen, die im Labor an Östrogenrezeptoren andocken können. Solche Stoffe heißen Phytoöstrogene — bekannter ist Genistein aus der Sojabohne. Weil der Östrogenabfall in den Wechseljahren den Knochenumbau verändert, liegt die Frage nahe, ob so ein Stoff dort etwas bewirkt.
Die Arbeitsgruppe um Caroline Puel am französischen INRA hat dazu über Jahre geforscht. 2004 zeigte sie im British Journal of Nutrition, dass Olivenöl und isoliertes Oleuropein bei Ratten den entzündungsbedingten Knochenverlust nach Eierstockentfernung abmilderten. 2006 folgte eine Dosis-Wirkungs-Studie in Clinical Nutrition mit 98 Tieren und Oleuropein-Gaben von 2,5 bis 15 mg pro Kilogramm Körpergewicht täglich, über 100 Tage.
Das ist ernstzunehmende Forschung. Aber es sind Tierversuche mit einem Modell, das Eierstockentfernung und künstlich ausgelöste Entzündung kombiniert — nicht der natürliche Verlauf der Wechseljahre.
Die größte Untersuchung am Menschen erschien 2015 im Journal of Nutrition, Health & Aging: Zwölf Monate, doppelblind, randomisiert, mit Frauen nach der Menopause und beginnendem Knochenschwund. Gemessen wurden ein erhöhter Osteocalcin-Wert und ein verbessertes Blutfettprofil. Verwendet wurde ein standardisierter Polyphenol-Extrakt aus der Olive — kein Olivenöl.
Was die Dosierungen bedeuten
In der Dosis-Wirkungs-Studie bekamen die Ratten bis zu 15 mg Oleuropein je Kilogramm Körpergewicht — täglich, über 100 Tage. Auf einen Menschen mit 70 kg übertragen wäre das über ein Gramm reines Oleuropein pro Tag. Zwei Esslöffel Olivenöl enthalten den Wirkstoff in einer völlig anderen Größenordnung, und überwiegend in der umgewandelten Aglykon-Form. Solche Übertragungen zwischen Arten sind ohnehin nicht linear — die Zahl zeigt nur, wie weit die Welten auseinanderliegen.
Was daraus folgt
Aus Tierversuchen und Extrakt-Studien lässt sich keine Wirkung von Olivenöl beim Menschen ableiten. Genau deshalb existiert dazu auch keine zugelassene Aussage in der EU. Wer Oleuropein gezielt aufnehmen möchte, braucht ein Präparat — und ärztlichen Rat, besonders bei bestehenden hormonellen Therapien.
Was für Olivenöl zugelassen ist

Zwei Aussagen dürfen in der EU zu Olivenöl geführt werden. Beide stehen in Verordnung 432/2012, und beide sind an Bedingungen geknüpft.
Zellschutz durch Vitamin E
„Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.“
Diese Aussage darf verwendet werden, wenn ein Lebensmittel mindestens eine Quelle für Vitamin E ist. Natives Olivenöl extra enthält je nach Sorte und Frische etwa 12 bis 15 mg Vitamin E pro 100 g und erfüllt diese Bedingung deutlich.
Das ist der Punkt, der dem, was viele unter Anti-Aging verstehen, am nächsten kommt — und er ist tatsächlich zugelassen. Oxidativer Stress gilt als einer der Mechanismen der Zellalterung.
Schutz der Blutfette
„Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen.“
Bedingung sind mindestens 5 mg Hydroxytyrosol und dessen Derivate pro 20 g Öl, bei einer täglichen Aufnahme von 20 g. Das ist nicht mit dem Gesamtpolyphenolgehalt gleichzusetzen — es braucht eine Analyse, die diese Fraktion getrennt ausweist.
Und die Haut?
Zur äußeren Anwendung gibt es eine oft zitierte Untersuchung von Danby und Kollegen, 2013 in Pediatric Dermatology. Neunzehn Erwachsene trugen über mehrere Wochen zweimal täglich Olivenöl auf einen Unterarm auf, ein Teil zusätzlich Sonnenblumenöl auf den anderen. Ergebnis: Olivenöl schädigte die Hautbarriere messbar, Sonnenblumenöl nicht.
Für die innerliche Aufnahme gilt der Vitamin-E-Zellschutz, der oben steht. Eine spezifische Aussage zur Hautalterung ist daraus nicht ableitbar und in der EU nicht zugelassen.
Wer Olivenöl auf der Haut anwenden möchte, findet die Studienlage im Artikel Olivenöl bei Neurodermitis.
Was praktisch bleibt
- Olivenöl liefert Vitamin E, und dafür gibt es eine zugelassene Aussage zum Zellschutz. Das gilt für jedes native Olivenöl extra.
- Für den Polyphenol-Claim braucht es Substanz. Ein Öl mit unter 100 mg/kg erreicht die geforderte Menge nicht — der Wert muss ausgewiesen sein.
- Frische zählt. Vitamin E und Polyphenole bauen sich durch Licht, Wärme und Sauerstoff ab. Ein Öl, das zwei Jahre im Regal stand, liefert weniger als eines aus der letzten Ernte.
- Blattextrakt ist etwas anderes. Wer gezielt Oleuropein sucht, braucht ein Präparat — und ärztlichen Rat, besonders bei hormonellen Therapien.
Und der ehrlichste Satz zum Schluss: Olivenöl ist ein Lebensmittel. Es ersetzt keine Behandlung, gleicht keine ungünstige Ernährung aus und hält niemanden jung. Was es kann, steht oben — nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Werte, die den Claim tragen
Für die drei Tropicual-Öle liegt eine NMR-Analyse des World Olive Center for Health der Universität Athen vor. Sie weist Hydroxytyrosol und dessen Derivate getrennt aus: 14,27 mg beim Everyday, 15,56 mg beim De Vega und 27,25 mg beim De Sierra pro 20 g. Die EU-Verordnung verlangt 5 mg.
Für das Hera Ypsilon liegt bisher nur die Summenbestimmung nach Folin-Ciocalteu vor. Den Gesundheitsbezug führen wir für dieses Öl deshalb nicht an.
Häufige Fragen
Hilft Olivenöl in den Wechseljahren?
Für Olivenöl gibt es dazu keine zugelassene Aussage. Die Forschung zu Oleuropein als Phytoöstrogen arbeitet mit Olivenblattextrakt, nicht mit Olivenöl — beim Pressen entstehen andere Verbindungen. Zugelassen sind für Olivenöl zwei allgemeine Aussagen: der Zellschutz durch Vitamin E und der Schutz der Blutfette durch Polyphenole. Beide gelten unabhängig vom Lebensalter.
Ist Oleuropein im Olivenöl enthalten?
Nur in geringen Mengen. Beim Pressen spalten pflanzeneigene Enzyme das Oleuropein auf. Ins Öl gelangen überwiegend die Abbauprodukte — Oleuropein-Aglykon, Oleacein, Oleocanthal und Hydroxytyrosol. Das sind die eigentlichen Wirkstoffe des Olivenöls, aber chemisch andere Moleküle als Oleuropein.
Was ist der Unterschied zwischen Olivenblattextrakt und Olivenöl?
Olivenblattextrakt wird aus den Blättern gewonnen und enthält Oleuropein in konzentrierter, standardisierter Form. Olivenöl stammt aus der Frucht und enthält die Abbauprodukte des Oleuropeins. Studienergebnisse zum einen lassen sich nicht auf das andere übertragen.
Wirkt Olivenöl gegen Hautalterung?
Eine solche Aussage ist in der EU nicht zugelassen. Zugelassen ist, dass Vitamin E dazu beiträgt, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen — natives Olivenöl extra enthält etwa 12 bis 15 mg Vitamin E pro 100 g. Für die äußere Anwendung auf der Haut ist die Studienlage uneinheitlich.
Enthält Olivenöl Vitamin E?
Ja, etwa 12 bis 15 mg pro 100 g, je nach Sorte, Erntezeitpunkt und Frische. Damit ist Olivenöl eine Quelle für Vitamin E im Sinne der EU-Verordnung, und die zugelassene Aussage zum Zellschutz vor oxidativem Stress darf verwendet werden. Der Gehalt nimmt bei längerer Lagerung ab.
Wie viel Olivenöl täglich?
Die Verordnung 432/2012 nennt 20 g täglich, etwa zwei Esslöffel, bei einem Öl mit mindestens 5 mg Hydroxytyrosol und Derivaten pro 20 g. Olivenöl hat rund 900 kcal pro 100 g und sollte andere Fette ersetzen, nicht zusätzlich dazukommen.
Quellen
- Puel C, Quintin A, Agalias A, et al. Olive oil and its main phenolic micronutrient (oleuropein) prevent inflammation-induced bone loss in the ovariectomised rat. British Journal of Nutrition 2004;92(1):119–127. Tiermodell.
- Puel C, Mardon J, Kati-Coulibaly S, et al. Black Lucques olives prevented bone loss caused by ovariectomy and talc granulomatosis in rats. British Journal of Nutrition 2007;97(5):1012–1020. Tiermodell.
- Puel C, Mathey J, Agalias A, et al. Dose-response study of effect of oleuropein, an olive oil polyphenol, in an ovariectomy/inflammation experimental model of bone loss in the rat. Clinical Nutrition 2006;25(5):859–868. 98 Tiere, 2,5 bis 15 mg/kg Körpergewicht täglich über 100 Tage.
- Twelve-month consumption of a polyphenol extract from olive (Olea europaea) in a double blind, randomized trial increases serum total osteocalcin levels and improves serum lipid profiles in postmenopausal women with osteopenia. Journal of Nutrition, Health & Aging 2015;19(1):77–86. DOI 10.1007/s12603-014-0480-x. Studie am Menschen — mit standardisiertem Extrakt, nicht mit Olivenöl.
- Danby SG, AlEnezi T, Sultan A, et al. Effect of olive and sunflower seed oil on the adult skin barrier: implications for neonatal skin care. Pediatric Dermatology 2013;30(1):42–50. DOI 10.1111/j.1525-1470.2012.01865.x
- Beauchamp GK, Keast RSJ, Morel D, et al. Phytochemistry: ibuprofen-like activity in extra-virgin olive oil. Nature 2005;437:45–46. Zur COX-Hemmung durch Oleocanthal im Laborversuch.
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission über eine Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. Grundlage für die beiden zugelassenen Aussagen zu Vitamin E und zu Olivenöl-Polyphenolen.
- World Olive Center for Health, Nationale und Kapodistrias-Universität Athen. NMR-Analysen der Tropicual-Öle, Zertifikate C2526-00393, C2526-00392 und C2526-00708. Berichte als PDF
Die Arbeiten zum Knochenstoffwechsel stammen überwiegend aus Tiermodellen, in denen Eierstockentfernung und künstlich ausgelöste Entzündung kombiniert werden. Sie bilden nicht den natürlichen Verlauf der Wechseljahre ab. Eine daraus abgeleitete Aussage über die Wirkung von Olivenöl beim Menschen ist wissenschaftlich nicht gedeckt und in der EU nicht zugelassen.
Weiterlesen: Polyphenole im Olivenöl · Ist Olivenöl gesund? · Hydroxytyrosol · Täglich einnehmen
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wechseljahresbeschwerden, Fragen zur Knochengesundheit und hormonelle Therapien gehören in ärztliche Hand. Bei bestehender Medikation sollte die Einnahme von Pflanzenextrakten ärztlich abgeklärt werden.
